L'Orgue français
  - 
Literatur französischer Orgelkunst in deutscher Sprache Vol. 1

 

Rouen, Saint-Ouen



René Verwer

Die Cavaillé-Coll-Orgel
der Abteikirche St. Ouen in Rouen

übersetzt, bearbeitet und herausgegeben
von Günter Lade




Buch in deutscher Sprache, 1991  -
Zweite verbesserte Auflage 1995

Ganzleinen, Schutzumschlag, 21 x 30 cm
140 Seiten mit 90 teilw. farbigen Abbildungen
ISBN 3-9500017-1-9

€ 39,90 + Versand



Vorteilspreise Buch + Poster

 

Der prachtvolle Orgelprospekt von Saint-Ouen in Rouen stammt von einem Instrument, das 1630 von Crespin Carlier errichtet wurde und bis zur Französischen Revolution verschiedene Erweiterungen erfuhr. Es wurde 1859 wiederhergestellt, doch blieb der Zustand der Orgel auch nach weiteren Reparaturen so kritisch, daß 1887 Aristide Cavaillé-Coll den Auftrag für einen Neubau im historischen Gehäuse erhielt. Am Ende seiner glanzvollen Karriere schuf er eine monumentale 32'­ Orgel mit 64 Registern auf 4 Manualen und Pedal bei Schleifladen mit mechanischer Traktur und Barkerhebeln, ein Meisterwerk, das bis heute unverändert erhalten blieb und Weltruhm genießt. Vermitteln unzählige Tonträger das Klangerlebnis des großartigen Instruments, so fehlte bis heute eine umfassende und grundlegende Präsentation in Wort und Bild. In seinem Buch beschreibt der niederländische Orgelwissenschaftler René Verwer die allgemeine Entwicklung der französisch-symphonischen Orgel sowie die Geschichte und den vollständigen technischen Aufbau mit Pfeifenmaterialien und Mensuren der berühmten Cavaillé-Coll-Orgel von Saint-Ouen, die 1890 durch Charles-Marie Widor eingeweiht und dabei doppelsinnig »á la Michel-Ange« (mit dem Erzengel Michael sowie mit einem Kunstwerk Michelangelos) bezeichnet wurde.

Organisten, Orgelbauer, Orgelfreunde und musikinteressierte Laien werden mit dieser Publikation gleichermaßen zufrieden gestellt: Eindrucksvolle Fotos von Kirche, Prospekt, Spielschrank, Mechanik, Windladen und Pfeifenwerk, exakte Schnittzeichnungen vom technischen Aufbau der Orgel sowie vollständige Tabellen mit Angabe der Pfeifenmaterialien und Mensuren ergänzen den ausführlichen Textteil des Buches. Zeitgenössische Berichte, die Organisten von Saint-Ouen ab dem 19. Jahrhundert, Originaldispositionen weiterer Cavaillé-Coll-Orgeln in Rouen, vergleichende Mixtur- und Mensurtabellen, ein Literaturverzeichnis, eine Discographie sowie ein Orts- und Namensregister vervollständigen die wertvolle Publikation, die unter den Orgelmonographien neue Maßstäbe setzt.

Das mit dem Namen Aristide Cavaillé-Colls (1811-1899) verbundene Interesse an der französisch-symphonischen Orgel hat seit etwa zehn Jahren stark zugenommen. Wurde das Schaffen dieses Orgelbauers lange Zeit als Beispiel für den schlechten Geschmack des 19. Jahrhunderts verworfen, so bewundern heute Orgelliebhaber und Experten wieder die Klangschönheit und sonore Kraft, die handwerkliche Qualität, die logische Konzeption und die allgemeine Ästhetik seiner Instrumente. Die Bilanz der etwa siebzig Jahre währenden Tätigkeit Cavaillé-Colls weist in Frankreich und weiteren neunundzwanzig Ländern 699 Werke auf, die von ihm erbaut, verändert oder instandgesetzt wurden.

Die neue Wertschätzung der symphonischen Orgel führte in Frankreich zur Restaurierung verschiedener Instrumente des berühmten Orgelbauers, nachdem sein Werk mehrere Jahrzehnte ziemlich vernachlässigt worden war. Neben einigen im Faksimile wiederveröffentlichten älteren Schriften und verschiedenen Beiträgen in La Flûte harmonique - der Zeitschrift der 1975 gegründeten Gesellschaft Association Aristide Cavaillé-Coll - erschienen auch umfangreiche Monographien über die Orgeln von Saint-Etienne in Caen, Saint-Sernin in Toulouse und der Kathedrale Sainte-Croix in Orléans. Die erste musikwissenschaftliche Arbeit über Cavaillé-Coll wurde 1980 in den USA publiziert. Fenner Douglass behandelt darin den Zeitraum von den ersten Aufträgen 1833 bis zur Vollendung der Orgel in der Pariser Kirche Sainte-Clotilde im Jahre 1859. Durch diese Veröffentlichungen und zahlreiche Schallplatteneinspielungen wurden Städte wie Caen, Lyon, Orléans, Paris, Rouen und Toulouse für ihre Cavaillé-Coll-Orgeln berühmt.

Ein in der Literatur bisher weitgehend vernachlässigtes Instrument befindet sich in noch unverändertem Zustand in der ehemaligen Abteikirche Saint-Ouen in Rouen. Der fast achtzigjährige Cavaillé-Coll vollendete hier als opus 630 seine größte außerhalb von Paris befindliche Orgel, die zur Bekrönung seiner glanzvollen Karriere werden sollte. Sie wurde 1890 durch Charles-Marie Widor eingeweiht und dabei zu Recht als »orgue á la Michel-Ange« bezeichnet. Im selben Jahr erschien von Charles-Marie Philbert, dem bekannten Förderer der Arbeit Cavaillé-Colls, eine Causerie, die für das vorliegende Buch von wesentlicher Bedeutung war.

Nach einigen Besuchen der Orgel von Saint-Ouen wurde mir ermöglicht, das Innere des Instruments zu untersuchen und zu vermessen, wofür ich der Titularorganistin Marie-Andrée Morisset-Balier sehr herzlich danken möchte. Erwähnt sei auch die Hilfe der Orgelbauer und -experten Jacques Barberis (†), Hans Brink, Gregor Klein und François Sebire, das Entgegenkommen verschiedener Archive in Rouen und Paris bei der Einsicht in das benötigte Material sowie die Mitarbeit meiner Frau Hanneke, die mir geholfen hat, die Arbeit im gegebenen Zeitraum zu vollenden. Schließlich danke ich Günter Lade für die ausgezeichnete Übersetzung des Manuskripts aus dem Niederländischen ins Deutsche und die ansprechende Gestaltung des vorliegenden Bandes.

Am 17. April 1990 jährte sich zum hundertsten Mal die Weihe der Orgel von Saint-Ouen in Rouen. Trotz sich wandelnder Werte im Orgelbau wurde das Instrument stets in seinem originalen Zustand respektiert. Möge es zukünftigen Orgelrestaurierungen als Vorbild dienen und möge auch dieses Buch zum Verständnis der außergewöhnlichen Orgelbaukunst Aristide Cavaillé-Colls beitragen.

René Verwer, 1991


I N H A L T

 

Vorwort

Die Entwicklung der französisch-symphonischen Orgel im Schaffen Aristide Cavaillé-Colls

-  Die frühe Schaffensperiode
-  Die Schaffensperiode von 1844 bis 1868
-  Die Schaffensperiode von 1868 bis 1898
-  Zusammenfassung

Die Abteikirche Saint-Ouen in Rouen

Die Orgel von Saint-Ouen und ihre Geschichte 1628-1887

-  Die Barockorgel
-  Das Orgelgehäuse
-  Von Carlier bis Cavaillé-Coll

Die Cavaillé-Coll-Orgel

-  Der Neubau 1887-1890
-  Die Disposition und Klanggestalt
-  Der Aufbau
-  Der Spielschrank
-  Die Spiel- und Registertraktur
-  Die Barkermaschinen und moteurs pneumatiques
-  Die Windversorgung
-  Die Windladen
-  Das Pfeifenwerk
-  Das 20. Jahrhundert

Die Teilwerke der Orgel

-  Positif
-  Grand-Orgue
-  Bombarde
-  Récit expressif
-  Pédale

Die Mensuren

Anhang

-  La Semaine Religieuse (19. April 1890):
   »Die Weihe der neuen Orgel von Saint-Ouen«

-  Charles-Marie Philbert:
   Auszüge aus »Causerie sur le Grand-Orgue ... à Saint-Ouen de Rouen«

-  Die Organisten von Saint-Ouen

-  Cavaillé-Coll-Orgeln in Rouen (Originaldispositionen)

-  Vergleichende Mixturzusammenstellungen

-  Vergleichende Mensurtabellen

-  Literaturverzeichnis

-  Discographie

-  Ortsregister

-  Namensregister

 


POSTER-SET
8 Farbfotos der Cavaillé-Coll-Orgel von Saint-Ouen in Rouen
für Informationen und eine größere Darstellung bitte auf die Fotos klicken

 

Rouen, Saint-Ouen

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P R E S S E S T I M M E N

 

»Man kann René Verwer für die grundlegende Arbeit und Günter Lade für die ausgezeichnete Übersetzung und Gestaltung der Publikation nur herzlich gratulieren! Ich bin vom Erfolg des großartigen Buches überzeugt und es bleibt zu hoffen, dass es auch einmal eine französische und englische Übersetzung geben wird!«

Daniel Roth

 

»Das so gut wie vollständig original erhaltene Opus magnum Cavaillé-Colls in Rouen darf man wohl ohne Übertreibung zu den Orgel-Weltwundern zählen, und deshalb war eine gründliche Monographie dieses Instruments längst überfällig. Sie ist nun in einer Form erschienen, die wahrhaftig ihres grandiosen Gegenstandes würdig ist. Außer einer präzisen Darstellung der Baugeschichte und aller Einzelheiten der Cavaillé-Coll-Orgel samt Durchmessermensuren aller erreichbaren C-Werte finden wir hier ein zusammengefasstes Kapitel" Die Entwicklung der französisch-symphonischen Orgel im Schaffen Aristide Cavaillé-Colls", eine Geschichte des Kirchengebäudes und der Vorgängerorgel sowie wichtige Beigaben: Eine detaillierte klangliche Würdigung der Orgel durch Ch.-M. Philbert von 1890, Kurzbiographien der Organisten von St. Ouen, die Originaldispositionen der anderen Cavaillé-Coll-Orgeln in Rouen, vergleichende Mixturenzusammenstellungen und Mensurentabellen sowie Literaturverzeichnis und Diskographie. Die Bebilderung ist geradezu üppig, überaus sorgfältig überhaupt die gesamte Präsentation des Bandes. Bekanntlich gehört es zu den wichtigsten Pflichten eines jeden Orgelbeflissenen, wenigstens einmal im Leben diese Orgel an Ort und Stelle gehört zu haben. Wer sich dabei ernsthaft mit ihr beschäftigen will, dem ist ab sofort das Studium dieses Buches als Pflichtpensum aufgegeben.

Hermann J. Busch (Ars Organi 1991/4)

 

Es lag ja eigentlich auf der Hand, dass die intensive Beschäftigung mit den verschiedenen Orgeltypen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts bis in ihre sublimen bautechnischen und klanglichen Details hinein über kurz oder lang die Wiederentdeckung des Eigenwertes romantischer Orgelinstrumente zur Folge haben würde. Mehr als anderswo hat in Frankreich die Orgel einen festen Platz im Kulturleben des 19. Jahrhunderts behaupten können. So konnte sich dort aus der barocken Tradition heraus eine symphonische Orgel entwickeln, die den neuen Idealen entgegenkam, aber klanglich und handwerklich den Vergleich mit der klassischen Zeit der Orgel kunst nicht zu scheuen brauchte. Aristide Cavaillé-Coll gilt als einer der ganz Großen des romantischen französischen Orgelbaus und ein spätes Beispiel des von ihm zur Reife gebrachten Instrumenten-Typus, das noch dazu im wesentlichen unverfälscht auf uns gekommen ist, ist es wohl wert, dass man sich seiner durch eine organologisch gründliche, umfassende und bestens ausgestattete Arbeit annimmt: René Verwer lieferte den niederländischen Originaltext, Günter Lade die Übersetzung und das Layout. Es ist nicht leicht, die Qualitäten dieser Veröffentlichung knapp zu umschreiben: den klaren Aufbau etwa, die Akribie der Darstellung, das reiche Bild- und Tabellen-Material. Das Studium dieses außergewöhnlichen Buches ist im Grunde nicht nur dem Freund der spezifisch französischen Orgel-Romantik anzuraten, sondern jedem, dem das Phänomen Orgel als ein Teil der europäischen Kulturgeschichte etwas bedeutet, selbst wenn er sich auf einen anderen Orgeltyp spezialisiert hat.

kfw (Musica Sacra, 1992/1)

 

Mit einem prächtig illustrierten Band stellt der Holländer René Verwer das von Charles-Marie Widor enthusiastisch als «orgue à la Michel-Ange» gepriesene Werk in Saint-Ouen vor. Während der geschichtliche Rückblick von der Abteikirche und etwa noch die Darstellung des Orgelgehäuses, alles begleitet von meist ganzseitigen Bildern, den (nicht selber spielenden) Orgelfreund anzusprechen vermag, ist der Rest des Buches für den Kenner gedacht. Eine Vielzahl von orgelbautechnischen Details, vom Orgelbau in Saint-Ouen wie auch aus früheren Schaffensperioden Aristide Cavaillé-Colls, ist beschrieben, fotografiert und gezeichnet: Traktur, Windversorgung, Windladen mit verschiedenen durch Cavaillé-Coll ausgedachten und erprobten «Raffinessen». Zu den S. 15 angegebenen Koppelmöglichkeiten in früheren Orgelbauten müssten ergänzend die Erkenntnisse von Emil Bächtold betreffend die César Franck-Orgel in Ste.-Clotilde 1859 einbezogen werden (siehe MuG 1/1991, S. 18). - Im weiteren werden Feinheiten der Disposition und der Klanggestalt nahegebracht und mit Tabellen veranschaulicht (vergleichende Dispositionen, Bauweise jedes einzelnen Registers, Mixtur-Zusammensetzungen, Mensuren). Den Organisten wird die genaue Aufnahme des Spielschrankes mit all seinen typischen Spezialitäten besonders interessieren. Nicht unerwähnt sind auch finanzielle Aspekte.

Der Anhang bringt neben den erwähnten vergleichenden Tabellen Berichte zur Einweihung. Aufgelistet sind auch bedeutende Kompositionen, die für diese Orgel geschrieben wurden; u. a. die Symphonie gothique op. 70 von Widor und die «Évocation» op. 37 von Dupré. Am Schluss findet sich ein umfangreiches Literaturverzeichnis sowie eine Discographie. Von Saint-Ouen gibt es bereits zahlreiche Aufnahmen (z.B. Werke von Guilmant, Widor, Vierne).

Das Buch enthält also nicht nur eine Beschreibung dieser einen Orgel, sondern es stellt sie auch ins Umfeld des gesamten orgelbaulichen Schaffens von Cavaillé-Coll. Kenner der französischen Orgel des 19. Jahrhunderts und solche, die es werden wollen, werden es mit Interesse aufnehmen ( ...sich allenfalls gerne schenken lassen!).

Heinz Roland Schneeberger (Musik und Gottesdienst 1992/3)

 

 

 

 

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